Musikalische Stile nach Ländern

Die albanische Rroma Musik


In Albanien als auch im Kosovo benutzen Roma-Orchester Akkordeons, Klarinetten und Busukis. Ihr Stil ist eine Mischung von türkischer und griechischer Musik. Die Lieder, meist nur vokal intoniert, erinnern an arabische Musik, während die instrumentalen Stücke schon beinahe Sirtakis sind.


Die bulgarische Rroma-Musik

Bis vor kurzem wurde die Existenz von Rroma in Bulgarien beinahe verneint. Nach offiziellen Angaben gab es vor dem Fall des kommunistischen Regimes weniger als

50 000 Rroma in ganz Bulgarien. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Heute schätzt man, dass ungefähr 800 000 Rroma in Bulgarien leben, oft unter erschreckenden Bedingungen, in Ghettos und extremer Armut.

Auch wenn die bulgarische Rroma-Kultur eine der ältesten Europas ist, sie reicht bis in 12. – 13. Jahrhundert zurück, weiss man kaum etwas darüber.Archive für die Musik wurden beispiesweise nicht eingerrichtet und für die Forscher steht dementsprecht nichts zur Verfügung. Einzelne Ethno-Musikologen haben bestätigt, dass sie keinen Link für die Entwicklung der europäischen Rroma-Musik gefunden haben, namentlich in Bulgarien.

Heute wissen selbst die Rroma wenig über ihr musikalisches Erbe. Dies macht es um dringlicher, bulgarische Rroma-Musik, frei von den Einflüssen westlicher Musik (auch von Rap!), aufzuzeichnen.

Die bulgarische Rroma-Musik weist verschiedene Stile auf, die von der Region und der ethnischen Gruppe der Musiker abhängt. Vereinfacht kann man von fünf Hauptstilrichtungen ausgehen:

Lovara und Kelderara: Diese beiden Rroma-Gruppen haben einen sehr spezifischen Musikstil. Wie in anderen europäischen Ländern ebenfalls, basiert er hauptsächlich auf vokalen Improvisationen ohne Einsatz von Instrumenten.

Der Nordwesten: In der Region Vidin, entlang der ehemaligen jugoslawischen Grenze, setzen sich die Orchester oft nur aus Blechinstrumenten zusammen. Diese Tradition findet sich ebenfalls in einem Teil des heutigen Mazedonien.

Der Nordosten: In dieser Gegend ist der Einfluss Rumäniens in der Musikrichtung stark spürbar, insbesondere was die gespielten Instrumente anbelangt. Das Zimbal ist beispielsweise ein wichtiger Bestandteil in der Formation.

Der Südwesten: Die Musik ähnelt jener Mazedoniens. Zurnas, ursprünglich von den Türken eingeführt, sind die Hauptinstrumente.

Der Süden: Hier findet sich das, was allgemein als bulgarisch Musik bezeichent wird. Tatsächlich spelen die heutigen Rroma-Orchester Bulgariens meist in diesem Stil, mit Klarinetten, Saxophonen, Akkordeon, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Der Stil der Musik ist geprägt vom Einfluss der Musik des Mittleren Ostens.


Tschechische und Slowakische Republik


In der Slowakei ist die Rroma-Musik stark von der ungarischen Restaurantmusik beeinflussst. In Wirklichkeit ist sie kaum von der Musik in Ungarn zu unterscheiden. In der Tschechischen Republik hingegen hat es praktisch keine Hinweise mehr, wie dort die Rroma-Musik ursprünglich getönt haben könnte.


Die Ungarisch Rroma Musik


Um es Vorweg zu nehmen, die eigentliche Rroma-Musik Ungarns hat weder Violinen, Zimbale oder, um es kurz zu machen, überhaupt Instrumente. Gitarre und Mandoline kamen erst im 19. Jahrhundert hinzu. Diese Musik basiert auf Perkussionen und Bässen. Beides wird mit der menschlichen Stimmen, mit Milchkannen (!), Löffeln und Tamburinen gemacht. Ein Sänger singt gewöhnlich die Ballade, während die anderen die Bässe und Perkussionen singen. Diese Musik ist dem Kelderara- und Lovara-Stil nahe, der in ganz Europa zu finden ist.

Neben diese authentische Musik hat sich ein anderer Stil hervorgebracht, der meist von Rroma aus Transylvanien und den Rromungri (die übrigens kaum mehr Rromanes sprechen) gespielt wird und im Westen wohl der bekannteste ist, die sogenannte Restaruant-Musik. Dies ist eine Mischung aus ungarischen Volksliedern, transsylvanischen Einflüssen und einem Touch von Wiener Musik. Hier kann jedoch nicht von Rroma-Musik gesprochen werden, sondern Musik, die von Rroma gespielt wird.


Die Moldauische Rroma Musik


Die Harmonien ähneln jenen des Flamenco, die Rhythmen sind eher orientalisch, und die Art des singens und Spielens ist rumänisch, lansame Stimmen, schnelle Instrumente. Die Lieder sind dennoch mit der einfachen russischen Rroma-Musik verwandt. Zusammen ergibt dies einen einzigartigen Stil.


Die Polnische Rroma Musik


Den Rroma in Polen, die während des Zweiten Weltkrieges unter der deutschen Besatzung enorm gelitten haben, war es bis 1961 erlaubt, frei zu reisen. Die Reise- und Handelsfeiheit führte dazu, dass die Rroma ihre Kultur relativ gut erhalten konnten, was auch in ihrer Musik Asuddruck findet. Trotz deutlicher Einflüsse russischer Rroma-Musik weist diese Besonderheiten auf. Erstens basiert sie auf Akkordeon und Violine, gelegentlich ergänzt durch die Klarinette, und zweitens sind die Rhythmen eindeutig polnisch. Mazurkas, Walzer und sogar Polonaisen sind häufig. Im Gegensatz zu dem russischen Stil benutzen die polnischen Rroma für ihre Musik eher Instrumente als die Stimmen. Chöre sind unbekannt, und gewöhnlich gibt es nur einen Sänger. Die typischen Rroma-Terzen und –Quinten werden mit Instrumenten und nicht mit Stimmen intoniert.


Die Rumänische Rroma Musik


Im Gegensatz zur gängigen Auffassung besteht die Rroma-Musik in Rumänien nicht aus einem einheitlichen Stil. Tatsache ist aber, dass die meisten Aufnahmen, die man aus diesem Land hört, rumänische Volkslieder sind, die von Rroma gespielt werden. Drei Hauptstile prägen die Rroma-Musik in Rumänien.

Transsylvanien: Dieser Teil von Rumänien war bis 1918 unter ungarischer Herrschaft. Die sogenannt ungarische Musik stammt aus dieser Region! Sie basiert fast ausschliesslich auf Zimbalen, Geigen, Bratschen und Bässen. Die Saiteninstrumenten spielen in Akkorden, fast wie ein einziges Instrument. Die Geige übernimmt die Melodie, die Zimbale übernehmen etnweder die Begleitung oder die Soli. Gesang kommt selten vor. Rhythmen und Harmonien sind eindeutig ungarisch, und der Rhythmus ist eher gemässigt.

Rumänien: Das Orchester ist hier ergänzut durch Akkordeon und Flöten (rumänischer Einfluss). Anders als bei rumänischen Volksliedern sind die Rroma-Rhythmen langsamer, doch die Instrumente spielen in schnellem Tempo. Diese Dualität, langsame Stimme, schnelle Instrumente, ist der entscheidenden Unterschied zu den transsylvanischen Musik. Die Harmonien und Rhythmen aber sind orientalischer. Zahlreiche Lieder und Melodien zeichnen sich durch einen 7/8- oder 7/9-Rhythmus aus.

Banat: Diese Region befindet sich in der Nähe der serbisch-transsylvanisch-bulgarischen Grenze. Die Einflüsse all dieser Gegenden können herausgespürt werden. Die Orchester sind meist mit Blechinstrumenten plus einer Zimbal bestückt und ihre Musik jener Transsylvaniens ähnlich.


Die Russiche Rroma Musik


Aus alten russischen Chroniken ist bekannt, dass die ersten Rroma im 16./17. Jahrhundert in Russland eingetroffen sind. Da Musikinstrumente in Russland zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert verboten waren, kreierten die russischen Rroma, wie die Russen selbst, eine musikalische Tradition, die auf Chören aufbaute.

Im 18. Jahrhundert kam ein einzigartiges Instrument auf: die 7saitige Gitarre. Bis vor kurzem ist diese Instrument fast ausschliesslich von russischen Rroma gespielt worden. Diese Gitarre, auf G-Dur gestimmt, erlaubt sowohl melodische Basslinien als auch Harmonien, die an Jazz erinnern. Perkussionsinstrumente waren selbstverständlich zur Hand: in der Küche. Löffel und Töpfe, Tamburine oder „Körper-Perkussionen“ wie Steppen, Mit-den-Fingern-Schnippen und Klatschen.

Die Tradition der Rroma-Chöre erreichte ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert und dauerte bis zur Revolution. Kabaretts mit Rroma-Musikern, wie das „Yar“ in Moskau, waren bekannt und sind in der russischen Literatur (z.B. bei Puschkin) beschrieben worden. Während dieser Periode übernahmen die Rroma den Stil der russischen Romanzen. Die Geige wurde eingeführt. Rroma aus dem Balkan, die sich von Russland aufgrund der Popularität der russischen Rroma-Musik angezogen fühlten, brachten sie mit.

Neben diesen Stilen gab es die alten Lieder, die in Ad-hoc-Formationen zuhause und nur, wenn die Rroma unter sich waren, erklangen. Trotz der Revolution, Kriegen, Hungersnöten und Emigration hat diese musikalische Tradition bei den Rroma überlebt.


Ukrainische Rroma Musik


Diese Musik ist heutzutage kaum mehr anzutreffen. Statt dessen wird russische Rroma-Musik gespielt. Wo man sie noch hört, ist das Hauptinstrument die Zimbal. Der Stil gleicht jenem von Moldawien.


Westeuropa


Zigeuner-Jazz: Diese Art Rroma-Musik schuf Django Reinhardt zusammen mit Stéphane Grapelli in den 30er Jahren. Es ist eine Mischung von Jazz und tradtioneller Rroma-Musik wie jene der Kelderara und Lovara. Dieser Stil ist fast ausschliesslich in Nordfrankreich und Deutschland verbreitet.

Flamenco: Hier braucht es wohl keine Beschreibung. Anzumerken ist höchstens, dass der Flamenco auch heute noch meist von Rroma gespielt wird. Er wird auf spanisch gesungen, da Rromanes nach dem Fall des muslimischen Königreiches in Spanien verboten wurde und eute kaum noch präsent ist.


Rroma Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien


Wojwodina: Die Wojwodina war bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Teil des österreichisch-ungarischen Kaiserreiches. Daher lebt dort immer noch eine zahlreiche ungarische Minderheit. Viele Rroma haben sich in dieser Gegend in Rroma-Dörfern und in Städten wie Novi-Sad niedergelassen. Sie leben dort unter äussert schwierigen Bedingungen. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens haben viele von ihnen die Region verlassen, um bessere Arbeit zu finden und auch, um der latenten Diskriminierung zu entgehen. Die Rroma-Musik der Wojwodina entstand aus einer Mischung veschiedener Stile. Als die Wojwodina eine Greznregion zum Ottomanischen Reich war, drangen türkische Harmonien und Rhythmen in die Musik ein. Da die Wjwodina abar auch von den Ungarn besetzt wurde, existieren auch stark ungarische Einlüsse. Diese Musik entstand in den Rroma-Lagern als Tanz- und Festmusik und wird fast nur von Männern gespielt und gesungen. Die Geige spielt eine wichtige Rolle, zu vergleichen mit jener eines Ballettmeisters. Tatsächlich bekommt man heute noch bei kleinen Dorfanlässen den Geigenspieler, der sowohl singt als auch spielt, zu sehen.

Neben diesem Soloinstrument sind die Tamburitsas zu hören. Dieses Instrument, eine 4saitige Gitarre, auf Quartintervalle gestimmt, wird u. a. im Burgenland (Oesterreich) gespielt. Typische Formationen der Wojwodina haben drei solcher Tamuburitsas, eine, die die Terz zu den Variationen der Geige übernimmt, eine für den Rhythmus und eine für den Alt, der die tiefe Quinte und die melodischen Basslinien übernimmt. Ein Bass vervollständigt normalerweise eine solche Orchesterformation. Im Gegensatz zu der Rroma-Musik aus Serbien ist der Rhythmus hier ziemlich statisch, jedoch voll von Synkopen. Die erst Stimme wird gewöhnlich vom Geiger gespielt, oft als Solpartie. Die anderen Stimmen geben den Rhythmus, den Bass und die zweite Stimme ab.

Daneben gibt es noch mehrere andere Musikstile in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien.

Serbien: Die Basis der Rroma-Orchester in diesem Land bilden das Akkordeon und die Geige. Im Gegensatz zu der Musik in der Wojwodina ist der Rhythmus orientalisch, gewöhlich handelt es sich um Takte von 7/9 und 11/13.

Mazedonien: Zwei verschiedene Musikstile koexistiern in diesem Land. Zuerst das Brass Orchester, welche vor allem nur für Hochzeiten und Beerdigungen, wie in den Filmen von Kusturica, benutzt wird. Eine ältere Version dieses Stiles existiert, wo die Brassinstrumente durch die Zurnas, ein türkisches Instrument, ähnlich wie die Klarinette,ersetzt sind.

Die zweite Stilrichtung im Land erinnert an den Flamenco. Auch hier werden Brassinstrumente verwendet, doch wer die Harmonien hört, vermeint die Musik aus Andalusien zu hören.

Kosovo: Siehe Albanien.

Kroatien, Slovenien und Bosnien: Hier koexistieren verschiedene Stile aus dem ehemaligen Jugoslawien. Es ist sehr schwierig herauszufinden, welches die originale Musik war, vor allem auch seit die meisten Gruppen heute mit elektrischen Instrumente spielen.


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