Nachkriegsjahre
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Leben unter sehr schwierigen Bedingungen weiter. Mittel- und Osteuropa fielen unter die kommunistische Herrschaft. Zwar wurden die Rroma in diesen Ländern nicht mehr direkt verfolgt, lebten aber in der Regel in äusserst schwierigen Lebensumständen. Im Oktober 1956 wurde es beispielsweise den Rroma in der UDSSR verboten zu reisen. Sie mussten sich in bestimmten Dörfern niederlassen und in den Kolchosen arbeiten. Ähnliche Massnahmen übernahmen auch die anderen kommunistischen Länder, wie zum Beispiel die Tschechoslowakei, Polen und Bulgarien. Selbstverständlich wurde der freie Handel, ein traditioneller Beruf der Rroma, als illegal erklärt. Dies brachte Tausenden Rroma um ihre Existenzgrundlage. Die Rroma mussten sich neue Wege suchen, um ihre Familien ernähren zu können. Sie lebten in ständige Gefahr jeden Moment verhaftet oder interniert zu werden. Unter diesen Lebensbedingungen versuchten natürlich viele Rroma zu fliehen. Zwischen 1956 und 1960 wurden viele Lowara und Kelderasa aus der UDSSR nach Polen umgesiedelt, von wo sie wenig später nach Deutschland, Schweden und in andere westeuropäischen Ländern schliesslich fliehen konnten.
In Bulgarien gab es offiziell zwischen den 50er und 80er-Jahren keine Rroma-Minderheit. Die Publikation von Büchern und Zeitungen in Rromanes und das Spielen ihrer Musik war strikt verboten. Später wurden die „Mahalas“, die Rroma-Viertel in den Städten, hinter eigens errichteten Betonwänden versteckt, damit die Touristen sie nicht zu Gesicht bekamen. Das gleiche erfolgte übrigens noch 1992 in Sevilla während der Weltausstellung!
Während des Prager Frühlings gründeten einzelne Rroma eigene Organisationen, die aber 1973 wieder für nichtig erklärt wurden.
Situation Heute
Zwischen 1989 und 1991 fiel der Eiserne Vorhang in Mittel- und Osteuropa. Die Demokratie löste das alte System ab. Diese wurden jedoch immer noch von denselben Leuten getragen, die zuvor überzeugte Kommunisten waren. Für die Rroma bedeutete das neue Schwierigkeiten. Vor allem eine Anstellung zu finden, wurde zunehmend problematisch. Neue Wege mussten gefunden werden, um die Familien zu ernähren. Zu erwähnen ist, dass nicht nur Rroma in dieser Region Schwierigkeiten hatten, eine Arbeit zu finden. Ihre Situation war jedoch härter, weil einige kaum eine Bildung hatten oder nur ungenügende Qualifikationen aufweisen konnten. Während dieser Periode wuchs in den Ländern des ehemaligen Ostblocks die Bereitschaft zum politschen Extremismus, Nationalismus und Fremdenhass. Bis heute werden in dieser Region Angriffe gegen Rroma verübt: Rroma werden verfolgt, geschlagen und sogar umgebracht, ihre Häuser angezündet oder zerstört. Dies ist nachweislich im ganzen Mittel- und Osteuropa passiert, von Russland und Polen über die Tschechei und Slowakei bis Rumänien und Bulgarien.
Die schwierige ökonomische Situation, der zunehmende Rassismus und die gezielte Aktionen gegen Rroma, haben zahlreiche Betroffene zur Flucht in den Westen gezwungen. Rumänische, Tschechische, Slowakische und Bulgarische Rroma kamen nach Deutschland, in die Schweiz oder in ein anderes reiches westeuropäisches Land. Ein Grossteil war (und ist) illegal eingewandert. Sie kamen um Arbeit zu finden oder sonst eine Möglichkeit, irgend ein Erwerb zu erhalten. Für viele hat sich jedoch nichts wesentlich verbessert.
Als in Bosnien und im Kosovo der Bürgerkrieg tobte, zählten die Rroma zu den ersten Opfern der „Ethnischen Säuberungen“. Viele flohen nach Westeuropa. Doch die Behörden der westeuropäischen Ländern, im speziellen die Polizei, begegneten die Rroma nicht mit grosser Sympathie. Niemand wollte sich noch zusätzliche Probleme aufhalsen.
Ein weiteres schwieriges Problem zeigte sich in der Tschechischen - und Slowakischen Republik sowie im Baltikum: Die Behörden weigerten sich, den Rroma die Staatsbürgerschaft anzuerkennen. Besonders die Lage in der Gegend der ehemaligen Tschechoslowakei ist bis heute prekär geblieben. Während des Zweiten Weltkrieges wurden praktisch alle Tschechische Rroma deportiert und umgebracht. Nach dem Krieg wurden schliesslich Tausende Rroma aus der Slowakei in den Tschechischen Teil umgesiedelt, wo sie als billige Arbeitskräfte in den grossen tschechischen Fabriken arbeiten mussten. Heute ist diese Industrie praktisch am Boden und die Rroma sind ohne Arbeit.
Nach der Teilung des ehemaligen kommunistischen Landes verweigerten die tschechischen Behörden den Rroma die Staatsbürgerschaft, aus dem Grund, dass sie „Slowaken“ seien. Als daraufhin die Slowakei unfreiwilligigerweise zugestimmt hatte, diese Menschen zurückzunehmen, waren etliche Rroma vollends zwischen Stuhl und Bank geraten. Diese paradoxe Situation wurde durch neue Gesetze geschaffen, die aber in Wirklichkeit auf Rassismus zurückzuführen waren.
Die schlimmsten Verfolgungen gegen Rroma fanden in den Bürgerkriegen des ehemaligen Jugoslawien statt. Vor allem in Bosnien und im Kosovo beteiligten sich alle Kriegsparteien an der Ethnischen Säuberungen der Rroma-Bevölkerung. Ziel dieser Aktionen war es, die alteingesessene Rroma-Gemeinschaften, wovon einige schon über Tausend Jahre hier existierten, zu zerstören.
Überall in Europa nimmt der Rassimus zu und es scheint, dass die Rromafrage auf eine der härtesten Probe gestellt werden wird. Falls keine Lösung bald in Sicht ist, wird es enorme Anstrengungen brauchen, um diese Probleme überhaupt in den Griff zu bekommen.