Bei ihrer Ankunft in Westeuropa wurden die Rroma zuerst von der Bevölkerung gut aufgenommen. Sie erhielten Nahrung und Geld für die Weiterreise. Während die Rroma-Männer nach einen Zwischenerwerb suchten, arbeiteten ihre Frauen als Wahrsagerinnen. Sicher gab es schon damals auch einige, die gestohlen oder andere kriminelle Aktivitäten ausgeübt hatten.Auf jeden Fall verstanden die Mehreiheitsbevölkerungen schnell, dass die Rroma keine wirkliche “Pilger aus Kleinägypten” waren. Ihr christlicher Glaube zeugte eher von einer Oberflächlichkeit. Dafür sprachen sie eine andere Sprache, hatten andere Traditionen und waren dunkler als die restliche Bevölkerung. Ihre Reisedokumente wurden zusehends mit Argwohn begutachtet. Tatsächlich wissen wir, dass die meisten Papiere Kopien und Fälschungen waren. Dies alles führte innert kürzester Zeit dahin, dass sich die hiesige Bevölkerung gegen die Rroma stellte und sie verfolgte.
1497 erliess das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ein Dekret, worin die Rroma als türkische Spione gebrandmarkt wurden. Im folgenden Jahr wurden die Rroma aus dem Land verwiesen. Zwischen 1500 und 1501 verstärkten die Behörden dieses Deskret. Viele Rroma flohen nach Polen und Litauen. In der Schweiz wurden die ersten Rroma im Jahre 1471 ausgewiesen und in Bern wurde sogar ein Gesetz erlassen, worines den Rroma verboten war, das Kantonsgebiet zu betreten.
Rroma wurden auch aus Frankreich ausgewiesen. Der spezielle Erlass wurde 1504 in Kraft gesetzt und nochmals im Jahre 1539 durch den französischen König. 1499 verboten König Ferdinand und seine Frau Isabella von Spanien den Rroma das Reisen. Wer sich nicht daran halten wollte, musste das Land inert 60 Tagen verlassen. Ähnliche Gesetze gingen in den Jahren 1526, 1538 und 1557 auch in Portugal durch. 1538 wurde sogar beschlossen, dass die Rroma, die bereits im Land geboren wurden, in afrikanische Kolonien ausgeschafft werden sollten. Auch Holland und Italien begannen die Rroma zu vertreiben.
Die zunehmende Repressionen veranlasste die Rroma neue Gebiete aufzusuchen, wo sie sich ein besseres Leben erhofften. Einige erreichten zwischen den Jahren 1505 bis 1514 England und Schottland. Dort mussten die Neuankömmlinge dem König spezielle Taxen bezahlen, damit sie bleiben konnten. Doch bereits im Jahre 1530 wurde ein erstes Anti-Rroma-Gesetz erlassen, worin die Betroffenen aufgefordert wurden, dass Land innert 15 Tage zu verlassen, andernfalls drohte ihnen eine Gefängnisstrafe.
Die ersten Erwähnungen über die Präsenz der Rroma in Schweden gehen auf das Jahr 1512 zurück. Sehr wahrscheinlich kamen sie aus England. Es ist bekannt, dass sich im Jahre 1505 englische Rroma in Dänemark aufgehalten hatten. In Schweden wurden sie Tataren genannt, eine Bezeichnung, die noch heute verwendet wird. Um 1540 wurden die Rroma aus Schweden vertrieben und viele zogen nach Finnland oder Estland weiter, das damals unter schwedischwer Herrschaft war.
Den Rroma in Ost- und Zentraleuropa ging es zu dieser Zeit besser als ihren Brüdern im Westen. Hier war die Toleranz grösser und man brauchte ihre Arbeit. Eine Ausnahme bildete Rumänien. In der Walachei, Moldawien und Transsylvanien wurden die Rroma zu Leibeigenen für die Krone, der Kirche und andere Herrschaften degradiert. Die Sklaverei dauerte in Transsylvanien bis zum Jahre 1848 und in Rumänien sogar bis 1856. Trotz diesen schweren Bedingungen hatten viele Rroma ihre traditionellen Tätigkeiten beibehalten, sei dies als Schmiede oder Kupferschmiede, Goldschmiede oder Musiker. Einige waren sogar als Bärenführer unterwegs. Die Musiker wurden sowohl in Ungarn als auch in Rumänien vom Adel sehr geschätzt. In Litauen garantierten die Behörden den Rroma einige Privilegien, wie beispielsweise das Anrecht, ihren eigenen offiziellen Vertreter zu wählen.Es ist bekannt, dass die Familie Marcinkiewicz aus Mir in Weissrussland eine solche Position bis ins 18. Jahrhundert innehatte. Von Polen und Litauen wanderten die Rroma nach Lettland weiter. Erste Erwähnungen stammen aus dem 15. Jahrhundert.
Wie gesagt, viele Rroma lebten in der Zeit der Türkeninvasionen – und dies bis heute – noch im Balkan. Aus taktischen Gründen hatten damals die Türken die verschiedenen Völker aufgeteilt: Jede Gruppe lebte nach Ethnie und Konfession in seinem eigenen Quartier, Stadtteil oder Dorf. Alle hatten sie ihre eigene Administration, die die Steuern einzogen und an die türkischen Behörden weiter entrichteten. Christen und Juden mussten höhere Steuern zahlen als die Muslime. Dies veranlasste die Rroma sich zum Islam zu bekennen. Durch die gut erhaltenen türkischen Akten, die recht zuverlässig sind, kann man mehr oder wenig ersehen, wie viele Rroma im Balkan lebten, wer Christ oder Muslim war und welchen Beruf diese Person ausübte. So ist beispielsweise ersichtlich, dass im 17. Jahrhundert rund 20 % der Rroma sich unter der türkischen Herrschaft zum Islam konvertiert hatten. Die meisten Rroma lebten in den Dörfern und Städte. Unter ihnen waren Schmiede und Kupferschmiede sowie Juweliere und Musiker. Einige arbeiteten sogar für die türkische Armee.
Das 16. und 17. Jahrhundert war extrem schwierig für die Rroma in Westeuorpa. Sie litten unter einer brutalen und blutigen Repression. Im Jahre 1572 erliessen die Engländer ein Gesetz zur „Bestrafung des Vagabundierens“. Dadurch konnte jeder Rrom über 14 Jahren mit Auspeitschen und zur Zwangsarbeit verurteilt werden. Danach wurden die Rroma mit einem feurigen Eisen gebrandmarkt. Jeder durfte sich ein Rroma- Kind zwischen 5 und 14 Jahren als „Haushaltshilfe“ zu sich nehmen.
In unterschiedlichen Formen erstreckte sich diese Anti- Rroma Gesetze bis in 19. Jahrhundert: Ein „Gesetz gegen Landstreicher “ aus dem Jahre 1822 verurteile Rroma zu 6 Monaten Gefängnis. Ähnliche Gesetze gingen in Frankreich bereits vor 1666 durch. Rroma wurden ohne Gerichtsurteile zu Galeere- Arbeit gezwungen. Viele Rroma flohen und versteckten sich in den weiten Wäldern von Vosges und der Lorraine. Ihre Situation war so schlimm, dass sie sich gezwungen sahen, die wenige Nahrung, die sie gefunden hatten, nur ihren Kindern zu geben. Die Repression in Frankreich ging im 18. Jahrhundert weiter. Nur im Jahre 1786 hatten Rroma Vertreter die Gelegenheit beim König über ihre aussichtslose Situation zu sprechen. Darin erläuterten sie, dass sie gar keine andere Wahl hätten, als zu stehlen oder um Geld oder Essen bei der Bevölkerung zu erbetteln. Danach ging es den Rroma etwas besser. Nichts desto trotz hatten einige Leute die Idee, die Rroma nach Französisch Guyana zu deportieren.
Während dieser Periode fand in Holland eine regelrechte Hetzjagd statt, was als „Heidenjachten“ bezeichnet wurde. Wer in die Hände der Häscher fiel, wurde geschlagen und wie eine Bestie ermordet. Den Rroma war es verboten, die Grenze zu überschreiten, andernfalls wurden sie mit Prügel oder mit einer Brandmarkung in der rechten Schulter durch ein brennendes Eisen gedroht.
Strenge Gesetze gegen Rroma wurden auch in den Deutschen Ländern verfasst.
1577 wurde in Frankfurt den Rroma verboten mit Pferd und Wagen die Stadt zu betreten. Auch wurde ihnen jegliche Arbeit untersagt und sei es auch nur, um die Familie zu ernähren. Dies alles wurde damit begründet, dass die Rroma türkische Spione seien und den Auftrag hätten, die christlichen Nationen zu stürzen.
Im Jahre 1652 befahl Georg I, der Herrscher von Sachsen, die Rroma aus seinem Territorium zu deportieren. Einige Jahre später, 1710, veranlasste Prinz Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz die Kennzeichnung aller Rroma von über 25 Jahren mit einem Brandeisen und verjagte diese in kleinen Gruppen. Sollten sie je wieder zurückkommen, drohte ihnen der Strang. Rroma-Frauen, die jünger als 25 Jahre waren, wurden zu Zwangsarbeiten für die allgemeine Bevölkerung gezwungen. Kinder unter 10 Jahren schliesslich wurden an „gute Christen“ verscherbelt.
Während diesen zwei Jahrhunderten lebten die Rroma in Europa zwischen „Himmel und Erde“, nämlich in den Wäldern, wo sie Wege zum Überleben finden mussten. Sicher führte dies auch zu Diebstählen von Nahrungsmitteln und Geld. Während des 30 Jährigen Krieges leisteten einige Rroma sowohl bei Wallensteins Truppen Dienst, als auch bei der Schwedischen Armee.
Gegen Ende des 18. Jahrhundert zeichnete sich bei den europäischen Herrschern eine neue Annäherung des „Rroma-Problems“ an. Die österreichische Kaiserin Maia Theresa war die erste, die zwischen 1758 und 1773 beschlossen hatte, den Rroma das Reisen gänzlich zu verbieten, aber nicht mehr zu töten. Die Massnahme bestand darin, die Rroma zwangs anzusiedeln. Sie mussten Steuern bezahlen und als Bauern arbeiten. Pferde und Wagen durften sie jedoch keine mehr besitzen. Nur mit einer Spezialbewilligung konnten einzelne Rroma ihr Dorf verlassen. Später sollten laut der Kaiserin, die Rroma nicht mehr als Zigeuner (Cigany in Ungarisch) bezeichnet werden, sondern als „Neu-Ungarn“ (ujmagyarok). Ab 16 Jahren wurden die Rroma-Jungen zudem zum Militär eingezogen. Die Gesetze gingen soweit, dass es den Rroma verboten war, ihre traditionellen Kleider zu tragen, in ihren traditionellen Berufen zu arbeiten sowie ihre eigene Sprache, Rromanes, zu sprechen. Des Weiteren war es den Rroma verboten untereinander zu heiraten. Kinder, die älter als 5 Jahre alt waren, wurden an Nicht-Rroma Familien abgegeben, die sie dann aufgezogen hatten. Diese Gesetze galten für das ganze Gebiet, wo Maria-Theresia herrschte, also Ungarn, Slowakei und Burgenland.
Ähnliche Gesetze gegen Rroma setzten sich auch in Spanien durch: Sie mussten sich „Neu-Kastillianer“ (Neuvos Castillanos) nennen.