Im Gegensatz zu dem, was viele vom archetypischen "Reisenden" erwarten würden, verfügt das Rromanes eher spärlich über Wörter zu Natur – speziell zu Pflanzen, Tieren und so weiter. Andererseits ist das Vokabular für den Alltag eines ländlichen und sesshaften Lebens ziemlich umfangreich. Das bedeutet, dass mit dem gemeinsamen Wortstamm einfacher das Landleben zu beschreiben ist mit Bauernhof und Landwirtschaft, Haus und Wohnung, als die nomadische Lebensweise. Bei den semi-nomadischen Rroma sind viele dieser Begriffe später dazugekommen, obwohl einige dieser Begriffe auch älter sind und zurück bis zum indischen Exodus stammen. Ein Zelt, cerha (tsera, tsahra, katana, šatrasatra in anderen Rroma- Dialekten) ist nicht indisch. Nicht einmal das Wort vurdon (vurden, verdan vordin, und vardo) [Fuhrwerk)] ist indischer Herkunft, tatsächlich stammt es von einem altpersischen Wort ab.
Andererseits sind Worte wie kher [Haus], gav [Dorf], giv [Weizen], džov [Hafer], phabaj [Apfel], drakh [Trauben], guruv [Ochse, Bulle], bakro [Schaf], Balo [Schwein], khajni / kahni [Henne] und auch weitere indischer Herkunftund aus dem Sanskrit abgeleitet
Vielleicht genauso überraschend für viele Leser ist die Tatsache, dass Rromanes eine "Sprache der Verben" ist. Es enthält verhältnismässig mehr Verben als viele indo-europäischen Sprachen. Mehrere dieser Verben können substantiviert werden und erhöhen so die Anzahl der Substantive. Von khelav [spielen, tanzen] kann man khelipe, khelimos ableiten oder khelipen für Spiel oder Tanz.
Neue Wörter werden im Rromanes oft kreiert, eineTatsache, die eine langeTradition besitzt und die Quelle der Erschaffung von Dialekt ist. Während viele dieser neuen Wörter einfach aus der lokalen Sprache übernommen und „graekisiert/ver-griechischt“ wurden, worauf wir schon hingewiesen haben, sind einige das Ergebnis einer direkten Übersetzung in das Rromanes oder einer falsche Auslegungen der Bedeutung eines Wortes in der lokalen Sprache. Zum Beispiel sagen die Manouches in Frankreich für Kino ,šop nakesko((wörtlich: sechs Nasen) aus der französischen verkürzten Version "ciné", die als "six nez" ausgesprochen wird (sechs Nasen].
Die Sinti in Deutschland nennen manchmal Nürnberg Bukengero Foro, was „Stadt der Nieren“ heisst, da der Namen der Stadt in einigen süddeutschen Dialekten zu „Nierenberg" deformiert ausgesprochen wird – wie das deutsche Wort „Niere“.
In Russland nennen die Rroma die Kreisverwaltung baluni [behaart], weil dafürdas russische Wort "Volostnoje Upravlenije" ist, ähnlich wie "volosnoje", was „behaart“in russischer Sprache bedeutet. Bei den Cale wird anstelle des Vornamens Agosto manchmal Querosto (der welcher tat) verwendet, da im Spanischen "hago“ bedeutet „ich tue“ [querelo in Calo]. Die Karpatischen Rroma im österreichischen Burgenland brauchen bangore für Kartoffeln (die gebogenen), abgeleitet aus dem lokalen Ungarischen „krumpli“, da krumm auf Deutsch auch „gebogen“ bedeutet.
Während das Vokabular, vor allem das indische, unter verschiedenen Gruppen von Rromas ziemlich einheitlich erhalten geblieben ist, wurde der Wortsinngelegentlich verändert oder eine weitere Bedeutung und Verwendung wurde hinzugefügt.
Im Dialekt, der in Prizren (Kosovo) gesprochen wird, bedeutet ašunav sowohl hören als auch verstehen, und manchmal sogar lernen.
Bei den Sepetčides aus Izmir (ursprünglich aus Nord-Griechenland) heisst akharav tragen, während es in den meisten anderen Dialekten rufen, einladen heisst.
Synonyme in Rromanes bestehen manchmal einerseits aus dem Rromanes-Wort und andrerseits aus dem entsprechenden Wort in der Gadžikano-Sprache.
Das heisst, in der Sprache ihres Herkunftslandes, oder vielmehr des Landes, wo sie sich vorher niedergelassen hatten. Zum Beispiel für die französische Manouche bedeutet das Deutsch, für die lettischen Rroma bedeutet es Polnisch, für die Kalderaša ausserhalb Rumänien bedeutet es Rumänisch und so weiter. Die französischen Manouches sagen gleichzeitig zuna und kham für Sonne, erta und phup für Erde usw. Die lettischen Rroma benutzen manchmal gleichzeitigšmerã[šmierś] und meripen für Tod und die Kalderaša ausserhalb Rumänien benutzen bala [boala] und nasvalimos für Krankheit.
Rromanes mag für einen Englisch sprechenden Menschen arm erscheinen, da es einen eher bescheidenen Wortschatz besitzt im Vergleich zu dieser Sprache.
Jedoch liegt die Finesse des Rromanes sowohl in der Syntax als auch in der Phraseologie. Dies ist vielleicht der schwierigste, wenn auch sicherlich der faszinierendste Teil des Rromanes. Nuancen sind manchmal schwer zu übersetzen, und wir hoffen, solche Anwendungen mit den folgenden kurzen Beispielen aufzeigen zu können.
Beginnen wir mit der Morphosyntax. Kalderaša sagen me dav tuke vast wörtlich übersetzt: ich gebe Ihnen die Hand, aber das bedeutet nicht Händeschütteln sondern Heraushelfen. Dies wäre gemeint mit der Verwendung des Pronomens tu [du(singst)] in instrumentaler Form: me dav tusa vast (wörtlich: ich gebe die Hand mit dir). In den meisten Rroma-Dialekten bedeutet me lav vastestar, ich nehme (etwas) aus der Hand, während me lav tut vastestar bedeutet, ich nehme dich an der Hand. Die Phraseologie, insbesondere im Fall von lav [nehmen] und dav [geben] ist umfangreich. In Vlach-Dialekten heisst dav anglal (wörtlich: ich gebenach vorne) beantworten, während dav andre (wörtlich: hineingeben) hineingehen bedeutet. In Nördlichen Dialekten bedeutet dav godli (wörtlich:Tränen geben) einfach weinen, jedoch bedeutet dav andre in diesen Dialekten anschirren. In allen Dialekten findet man del brišind (wörtlich: es gibt Regen) für „es regnet“. Die Liste ist fast unendlich.
Das gleiche gilt für lav: lav angla (wörtlich: nach vorn zu geben) was bedeutet „verhindern“. In Vlach-Dialekten bedeutet lav pe mande (wörtlich: ich nehme an mich) ich kleide mich an. In diesen selben Dialekten begegnet man lav sama [beobachten, prüfen], während sama Aufmerksamkeit, Ansicht bedeutet und im Zusammenhang von Anteil und Schuld verwendet wird. Im Falle von lav pe murri sam [ich nehme meinen Anteil oder meine Schuld]. Pe same Rromanibedeutet gleichzeitig Zigeuner-Art als auch Wohlbefinden oder Wohlstand für Zigeuner.
In vielen Fällen, wo die spezifischen Ausdrücke fehlen, werden Umschreibungen verwendet. Zum Beispiel auf Kalderaša me lem angla mando o foro (wörtlich: nahm die Stadt vor mir) bedeutet aber, dass ich um die Stadt herumging ums sie zu vermeiden. Im gleichen Dialekt či len leske opre (wörtlich: či len leske opresie nehmen ihn nicht auf) bedeutet, sie haben keine Achtung für ihn. In Krim-Rromanes lel pes sar o kham [er (oder sie) nimmt sich (selbst) als Sonne] bedeutet, dass er (oder sie) leuchtet wie die Sonne. Lovara verwenden andedem andi soba (wörtlich: Ich gab es in den Raum hinein) mit der Bedeutung:ich betrat den Raum.