Die traditionellen Berufe der Rroma spielen noch heute eine wichtige Rolle für die Gruppenzugehörigkeit. Sie bilden die starke Basis für ihre integrale Identität. Aus diesen Gründen ist es sogar für Wohlhabende undenkbar nicht zu arbeiten. Jeder Einzelne der Familie, auch dann, wenn sie weit auseinander sind, tragen zum Erwerb der Gemeinschaft etwas bei. Diese Einstellung zurArbeit widerspiegelt das Rromanes Wort butji. Obwohl dieser Begriff nichts anderes als Arbeit bedeutet, brauchen einige Rroma-Gruppen diesen Ausdruck nur spezifisch für ihren Beruf. Sollte ein Krim-Rrom gefragt werden, welchen Beruf hast du? – „savo xizmeit keres?“ – so wird dieser einfach „kerav butji“ – übersetzt, „ich arbeite“ antworten, aber in Wirklichkeit den Beruf des Schmiedes meint. Im Krim-Rroma Dialakt wird das Wort „butjari“ als Schmiede bezeichnet.
Die traditionellen Berufe, ausgenommen derBeruf des Handlesens, das wohl zu den grössten Klischeevorstellungen der Gadje zählt, sind Männer Berufe. Dies will nicht heissen, dass die Frauen nicht involviert sind. Im Gegenteil, sie helfen ihren Ehemännern, Brüdern und Väter bei der Arbeit.
Es gibt verschiedene Richtungen in den traditionellen Berufen der Rroma: Die Aeltesten sind die Schmiede, insbesondere Waffenschmiede oder Kupferschmiede, Pferdehändler, Musiker (nicht mit der eigentliche Rroma Musik zu verwechseln!), Holzbearbeiter oder Siebmacher.
Doch kann nicht von einer strikten Unterteilung in der Ausübung dieser Berufe gesprochen werden. Oft kommt es vor, dass Schmiede auch noch professionelle Musik machen, wie es beispielsweise bei den Karpathieschen Rroma der Fall ist. Im Verlauf der Jahre haben die Rroma selbstverständlich auch von anderen Berufen gelebt, um ihr Einkommen zu verbessern. Diese sind natürlich auch moderner geworden.
Etwas sollte nicht vergessen werden: Rroma sind in allen Berufen zu finden, sei es als Bauern, Rechtsanwälte, Richter, Lehrer, Händler, Verkäufer, Kellner usw. und dies schon früher. Bereits im 15. Jahrhundert übten Rroma gemäss türkischen Steuerregistern auch Berufe aus, die den üblichen Klischees nicht entsprachen.