Die Entscheidung jemandem (oder etwas) von der Unreinheitsritual zu befreien wird von den höchsten sozialen Struktur der Rroma getroffen. Diese Instanz, eine Art Rroma Gericht, wird bei der Vlach Rroma Kris, oder Krisi, in Bulgarien, unter Kalderaša als mešerjava und bei Russischen Rroma romano sendo genannt. Das ist in Fakt ein Schiedsgericht. Die Mitglieder dieses Gerichts (genannt bei der Vlach Rroma krisatora oder krisinatora) sind unter den bekanntesten, ehrenvolle und integren Rroma in der Gemeinschaft gewählt. Jeder Rrom welcher ein Problem mit einem anderen hat ist frei die Kris (Vazdel i Kris) zu beanspruchen.
Das Schiedsgericht kommt zusammen und evaluiert die Aussagen, die Beweissmitteln und die Schadensersatzrechte.
Was fällt unter der Kompetenz der Kris? Geld Probleme (Darlehen usw.), manchmal auch Familienahngelegenheiten (z.B. wenn ein Mann seiner Frau kein Geld gibt, um die Kinder zu unterstützen), Beleidigungen, und Verfluchungen anderer Rrom, Streitereien oder Prügeleien.
Die höchste Straffe welche von Kris ausgesprochen werden kann ist die Vertreibung aus der Gemeinschaft für einen bestimmten Zeitraum oder für immer. Der ausgewiesene Rrom wird dann ausgeschlossen auch von anderen Klans. Die Ausweisung ist die höchste Straffe für einen Rrom, mehr gefürchtet als der Tod, weil er schwer weiterleben kann ohne die Rroma sozialen Strukturen. Ein Kris hat nicht das Recht eine Todesstraffe auszusprechen und oft werden Bussgeldvorschriften für den schuldigen Beteiligten verfügt.
Diese Tradition ist heute immer noch lebendig, sogar in westeuropäischen Ländern, wo viele Rroma immer noch ihre internen Gemeinschaftsdispute auf diesem Weg erledigen. Man sollte aber unterstreichen, dass Kris keine strafrechtlichen Fälle wie schwere Körperdelikte oder Todesfälle beurteilt. Diese gehören exklusiv zum Bereich des Gadže Gerichts, d.h. den gewöhnlichen Justizwesen.