Hochzeit

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Wird der Heiratsantrag akzeptiert, kann die Hochzeit, genannt bijav oder bjav (manchmal abav, abjav), stattfinden.

Am Tag der Hochzeit sind die Verwandten aus der Siedlung oder sogar von weiter weg aus anderen Dörfern oder Städten anwesend. Sie werden mit reichlich vorhandenem Essen und Trinken geehrt, das von den Eltern der frisch Vermählten offeriert wird.

Ab diesen Zeitpunkt werden die beiden Elternteile als Verwandte wahrgenommen, was die Bezeichnung xanamik, Mutter/Vater der Schwiegersohn/Schwiegertochter ausdrückt. Obwohl sie nicht blutsverwandt sind, ist xanamik eine sehr wichtige Beziehung bei den Rroma.

Bei der Hochzeit bringen alle Gäste den frisch Vermählten Geschenke, manchmal auch Geld, und diese erwidern die Höflichkeit mit kleinen Geschenken. Die Gäste tanzen und singen unddie Zeremonie findet ihren Höhepunkt, wenn sich das junge Paar in sein Zimmer zurückzieht (normalerweise gibt es ein spezielles Zelt), wo sie ihre Einheit vollziehen. Traditionellerweise warteten die Gäste auf das Ergebnis – die Blutflecken, die beweisen, dass das Mädchen Jungfrau war, was den Gästen beweist, dass sie ehrbar ist.

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Hochzeit in Bulgarien. Photo Rolf Bauerdick

Manchmal werden die befleckten Sachen an einem erhöhtem Platz ausgehängt, damit sie jeder Passant sehen kann (man hängt sie normalerweise auf den höchsten Punkt des Zeltes). Danach geht das Fest mit neuer Kraft weiter. Ist das Mädchen nicht Jungfrau gewesen, verlieren die Eltern ihr Gesicht und müssen die Mitgift zurückgeben.

Bei allen Rroma-Gruppen gibt es noch eine weitere Tradition: die Entführung des Mädchen durch den Jungen oder vielmehr die gemeinsame Flucht des jungen Paares, wenn die Eltern mit der Hochzeit nicht einverstanden sind. Nach ein paar Tagen kommt das Paar zurück in seinen Klan, dann findet die Hochzeit statt und der Jungfräulichkeitsbeweis muss trotzdem präsentiert werden. In manche Rroma-Gruppen wird oft eine symbolische Entführung praktiziert.

Eine Hochzeit dauert mindestens drei Tage. In den Städten wird die Hochzeit heutzutage nicht mehr zu Hause, sondern eher in einem Restaurant gefeiert, wo oft 200-300 Gäste teilnehmen.

Bei muslimischen Rroma auf dem Balkan finden die Zeremonien ebenfalls wie oben beschrieben statt, aber mit verschiedenen zusätzlichen balkanischen oder türkischen Elementen (z. B. dass die Freunde des Bräutigam ihn zum Bad bringen, seine Haare schneiden, ihn rasieren etc.)

Nach der Hochzeit zieht die Braut ein Kopftuch an. Sie ist nicht frei, ihre Haare jemandem anderen als ihrem Ehemann zu zeigen. Diese Tradition ist immer noch bei vielen Rroma sehr lebendig, aber in grossen Städten verliert sie langsam an Bedeutung.

Die Braut lebt traditionellerweise im Haus ihres Ehemanns, aber ihre Eltern werden trotzdem ein Auge auf ihr Leben in der neuen Familie offen halten. Sollte für sie etwas nicht in Ordnung sein, z.B. dass sie ihr Mann schlägt oder sie in irgendeiner Weise missbraucht wird oder sie Sorgen hat, holen sie ihre Eltern für einige Zeit oder für immer ins Elternhaus zurück. In einem solchen Fall müssen sie das Brautgeld, das sie für ihre Tochter erhalten haben, zurückbezahlen.

Sollte die Ehe nicht funktionieren, ist die Scheidung bei den Rroma akzeptiert. Das kann durch gegenseitiges Einverständnis oder auch durch Rechtsprechung im Kris passieren. Nach der Scheidung ist jeder wieder frei zu heiraten.

© Opre 2011