Verlobung

Früher fanden die Hochzeiten bei Rroma, so wie auch bei nicht-Rroma, in einem jungen Alter statt – für Jungen zwischen 15 und 17 und für Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren. Dieser Brauch hat sich verändert und heutzutage heiraten die meisten Rroma nicht früher oder später als die allgemeine Bevölkerung. Sowieso werden in den meisten Ländern Rroma-Eheschliessungen selten offiziell geführt. Mögliche Ehefrauen für den Sohn von jemanden werden durch Hörensagen ausfindig gemacht, d.h. andere Rroma sagen einander, welches Mädchen von welche Familie das richtige Alter zum Heiraten hat. Der Vater und die Mutter des (zukünftigen) Bräutigams besuchen die Eltern des Mädchens. Die Eltern des Jungen suchen nach einer potentiellen Schwiegertochter, welche schön und wohlhabend ist und eine gut angesehene Familie bzw. Klan hat. Sind die Eltern sowie das zukünftige Ehepaar zufrieden, beginnt die Zeremonie – unter den Wlach Rroma mangavimos, lit. die Anfrage genannt – die der Verlobung entspricht. In manchen Gruppen wird Geld für die Braut bezahlt, manchmal sogar sehr hohe Summen. Heutzutage ist diese Tradition des „Braut Kaufens“ am meisten noch bei der Wlach Rroma zu finden, vor allem bei den Kalderaša.

wedding-1

In dieser „Transaktion“ werden keine Noten benutzt, die Summe wird in Goldmünzen bezahlt, manchmal 200-300 oder mehr.

Das heisst nicht, dass es den Brauteltern gleichgültig ist, wer ihr Schwiegersohn wird. Er muss nett und fleissig sein und von eine guten Familie kommen. Soll eine Seite das Mädchen oder den Junge nicht mögen, dann akzeptieren sie die Verbindung nicht. Die Wahl und die letzte Entscheidung bleiben den Eltern vorbehalten. Zwischen Kalderaša gibt es manchmal frühe Verlobungsabmachungen, teilweise wenn die Kinder noch in der Wiege liegen. Sollte die Hochzeit nicht stattfinden, bezahlen die Eltern, welche das Versprechen nicht einhalten, ein Bussgeld. 


© Opre 2011